Michael „Bully“ Herbig hat wieder einmal einen Film aufs Tapet gebracht, der in seiner Aufmachung bei vielen Kinobesuchern mit Sicherheit einige (Kindheits-)Erinnerungen wachruft. Wer kennt sie nicht die tapferen Männer aus Flake rund um Wickie, die vielen von uns so manch spannende Nachmittage bescherten. Nicht endend wollende Nervenzerreissproben, da die Fortsetzung einer Folge erneut eine Woche auf sich warten ließ.
Voller Erwartung habe ich mir diese eine neue Realverfilmung zu Gemüte geführt und möchte sie allen Wickie-Fans (auch denen, die die Zeichentrickserie „noch“ nicht kennen) ans Herz legen. Eine Adaption, die wirklich den Charakter der Serie genau trifft: Schauspieler, die eigentlich Laien sind und eine beeindruckende Leistung erbringen, eine Geschichte, die aus mehreren Folgen der Ursprungsserie zusammengestellt wurde und wunderschöne Landschaftsaufnahmen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts langatmiges an sich haben. Anm.: Ich bin über die endlich wieder einmal ruhige Kameraführung derart glücklich, dass es mir allein schon deswegen wieder Vergnügen bereitet einen Film anzusehen!
Wickie, Halvar, Tjure, Snorre, Urobe, Gor, Ulme, Faxe wurden in schier unendlich anmutender Zeit auf das Genaueste gecasted. (Ich kann mich noch an die Castng-Show auf ProSieben erinnern!) Wie gut mögen sie rudern? Wie sicher bestehen sie einen Boxkampf? Wie bestehen alle die schlimmsten Schauspieltests für Laien? Nichts wurde dem Zufall überlassen. So sind alle Charaktere nicht nur ihrer Kleidung nach sofort wieder zu erkennen.
Wie schon erwähnt wurden mehrere Folgen in einer Realverfilmung zusammengefasst und nach und nach mit den gewohnten Zeichentrickfilm-Elementen ausgeschmückt. Wir werden nicht mit andauernden Geistesblitzen in Form von Sternen über Wickies Kopf an die ursprüngliche Serie erinnert. Das ist aufgrund der Darsteller und der Ausstattung auch gar nicht notwendig. Natürlich erinnern wir uns an Szenen wie ein vor Wölfen fliehender Wickie, den von Wickie gewonnenen Zweikampf zwischen ihm und Halvar mithilfe eines Baumkatapults, das mit Fellen fliegende Schiff, die beiden Seehunde mit deren Hilfe Wickie auf dem Wasser dahingleitet,… Sogar die in den jeweiligen Szenen (der Zeichentrickserie) verwendete Zeitlupe wurde eingebaut, um die schon damals erzeugte Spannung zu steigern.
Beherzt gespielte Szenen der Jungdarsteller lassen einen nicht erahnen, dass es sich eigentlich um Laiendarsteller handelt. Auch jeder andere Darsteller hat seine Rolle mit Sicherheit getroffen. Die gewohnten, von Michael Herbig im richtigen Moment platzierten Pointen sind der Geschichte mehr als nur zuträglich. Vielleicht ist die etwas eigenwillige Rolle des spanischen Geschichtsschreibers etwas gewöhnungsbedürftig, da er relativ selten in Erscheinung tritt aber auch verschmerzbar.
Musikalisch erleben wir den gewohnten Mix, der eingefleischten „Bully“-Fans längst bekannt ist. Selbstverständlich fehlt keiner der allseits bekannten Klassiker.
Interessanterweise waren diesmal die computeranimierten Effekte teilweise nicht so überzeugend wie in den vorangegangenen Herbig-Filmen. Speziell die „Wasserski“-Szene lässt da ein wenig zu wünschen übrig, wirkt sie doch ähnlich plump wie die Kitesurfing-Szene in „Stirb an einem anderen Tag“ oder die Unfall-Szene am Beginn des Films „Im Netz der Spinne“.
Es wird sicherlich kein so großer Erfolg wie der Slapstick-Schlager „Der Schuh des Manitu“. Dennoch bleibe ich dabei, dass man sich diesen Streifen ruhig anschauen sollte.
Links
Wickie und die starken Männer (Filmseite)
Wickie und die starken Männer (Film auf Wikipedia)
Wickie und die starken Männer (Zeichentrickserie auf Wikipedia)
ProSieben





