Indy, der Vierte


Harrison Ford hat sich also ein viertes Mal mit Hut und Peitsche in ein filmisches Abenteuer begeben. Zweimal waren die bösen Mächte des Dritten Reichs und einmal die indischen Sikhs seine Gegner. Diesmal haben russische KGB-Agenten ein Interesse an den archäologischen Fähigkeiten unseres amerikanischen „Tomb Raiders“.

Nachdem schon gute zwanzig Jahre nach Indy’s letztem Kreuzzug vergangen sind, wird in kleinen Dosen mitgeteilt, dass er in der Zwischenzeit für den OSS – Vorläufer der CIA – mehrere Aufträge abgewickelt hat. Dennoch hilft ihm das nicht vor der in den fünfziger Jahren stattfindenden Kommunisten-Hetze geschützt zu werden.

Die von den Medien vor der Premiere als Fälschung präsentierten Kristallschädel werden allerdings nur peripher erwähnt und haben mit der eigentlichen Handlung so rein gar nichts am Hut. Eine typische mediale Fehlinterpretation der Story. Viel mehr wird der UFO-Absturz 1947 in Roswell als Ausgangspunkt der Story genommen, bei dem sogar Indy als untersuchender Wissenschafter beteiligt war. Dass es sich hierbei um eine Einbindung von, bzw. eine Verflechtung mit Star Wars handeln soll kann ich persönlich nicht entdecken, auch wenn die in diesem Streifen präsentierten Aliens schlussendlich mit einem Raumschiff abdampfen.

Obwohl sich auch bei den bisherigen Abenteuern einige viele unglaubwürdige Situationen zugetragen haben, kann ich bei diesem Sequel nicht weniger solcher Momente wiederfinden – abgesehen von der Kernexplosion, bei der sich Indy relativ nahe des Hypocenters mit Hilfe eines typischen amerikanischen Kühlschranks (mit Bleiummantelung!!) retten kann. Na ja, er scheint halt die Qualität getestet zu haben… ;-)

Wie so oft bei solchen Sequels werden Reminiszenzen an ein früheres Abenteuer gemacht. Zum Einen wird einmal klar, dass die im ersten Teil sichergestellte Bundeslade in Area 51 gelandet ist. Weiters wird die von Indy gerettete Marian wieder seine Gehilfin und präsentiert Indy seinen leibhaftigen Sohn, den er niemals kennengelernt, geschweige denn von ihm gewusst hatte. Zum Anderen wird die Abwesenheit von Sean Connery mit dem Tod von Dr. Jones sen. erklärt. Wie hätte er allerdings in diesen Plot hineingepasst?

Die von Kate Blanchett gespielte russische Parapsychologin soll ein wenig an die (in den Fünfzigern und Sechzigern) russischen Ambitionen paranormale Fähigkeiten zu erforschen erinnern. Dies wurde ja u.a. während der letzten „The next Uri Geller“-Reihe in Pro 7 wieder in der Öffentlichkeit mehrmals dokumentarisch erläutert.

Shia LeBeouf, der draufgängerische Sohn von Indy und Marian kann im Gegensatz zu seinem Erscheinen in „Transformers“ ein wenig mehr Leistung für sein Geld zeigen und wird nicht nur vor grünen Wänden zu Schattenspielen ermutigt.

Das Finale erinnert ein wenig an den ersten Teil, bei dem alle Bösewichte durch die aus der geöffneten Bundeslade erscheinenden Geister hinweggefegt werden. Außerdem habe ich ein klein wenig Ähnlichkeit mit „Die Mumie kehrt zurück“ erkennen können, wo auch die goldene Pyramide am Ende verschwindet und nichts mehr übrig bleibt.

Fazit: Alles in allem ist es sicherlich ein typischer Indiana Jones, nur halt in den Fünfzigern angesiedelt. Natürlich passt der typische Grabräuber mehr in die Zwanziger und Dreissiger des letzten Jahrhunderts. Wie heißt es aber so schön: Man wird ja nicht unbedingt jünger. So gesehen war eine Ansiedlung der Story zur Nazi-Zeit auf gar keinen Fall möglich. Allerdings dürfte Dr. Henry Jones jr. in keinem fünften Abenteuer mehr erscheinen, hat sich doch mit der Heirat am Ende der Reigen zum ersten Teil geschlossen. Die etwa eindreiviertel Stunden Film bekommen vielleicht nicht das Prädikat sehenswert. Wer allerdings schon früher von Indiana Jones begeistert war, der wird diesen Film durchaus verstehen und gerne sehen (bzw. gesehen haben). Andere können vielleicht mit der Handlung und dem ganzen Drumherum nicht so viel anfangen und werden ihn nicht gut heißen.

Filmtechnisch sei schließlich noch zu erwähnen, dass die Kameraführung bei einem derartigen Hollywood-Streifen endlich wieder ruhiger ist und dem Betrachter mehr Überblick über die Handlung gibt, ein gewaltiges Manko vieler in den letzten Jahren erschienener Streifen.

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