Typisch Japan?

Haben Japanische Wissenschaftler wieder einmal einen potenziellen Ersatz für menschliche Tätigkeiten vorgestellt? Oder handelt es sich erneut um ein technisches Spielzeug für die bereits so technisch überladene Japanische Gesellschaft?

In Anbetracht der soeben vorgestellten Erfindung könnte sich der Gedanke ja geradezu aufdrängen, dass ein bestimmter Berufsstand wieder einmal seiner Existenz beraubt werden soll. Nach einem Bericht in science.orf.at wurde ein Roboter vorgestellt, der Tanzschritte erlernen und vorführen kann. Die angebliche Intention sei gewesen, aktuelle und aussterbende Volkstänze für die Nachwelt zu erhalten, damit jedermann diese in optischer Form rasch wieder erlernen kann.

Die Idee ist an sich richtig. Stellt sich jedoch die Frage, ob ein solcher Roboter die richtige Körperhaltung, Elastizität und auch Ausdrucksweise wiedergeben kann, die ein Mensch (so hoffe ich zumindest) eigentlich von Natur aus hat, bzw. haben sollte.

Ich bevorzuge die Aufnahme solcher Tänze auf Video/DVD. So sind die Tänze ebenfalls der Nachwelt erhalten. Die optische Komponente ist damit vollkommen abgedeckt. die Schrittfolgen kann man sich in Eigenregie ab- und aufschreiben, womit es für mich eine viel intensivere Beschäftigung mit dem entsprechenden Tanz gibt.

Das ist aber nicht das erste Mal, dass und Japan mit solchen Innovationen den tristen Alltag humoristisch bereichert. Denken wir nur an den von SONY im Mai 1999 vorgestellten AIBO oder die auch in Österreich so erfolgreichen Tamagotchi drei Jahre zuvor.

Dabei hat sich die Wirtschaft Japans anfänglich auf die Nachahmung anderer Technologien konzentriert. Auf lange Sicht aber hat sich als Ziel die Weiterentwicklung dieser „Kopien“ herausgestellt um letztendlich neue Innovationen, basierend auf den vorangenannten Technologien, auf den Markt zu werfen.

Dabei ist dieses Prinzip – die Weiterentwicklung bestehender, bzw. kopierter Technologien und auf deren Grundlage Innovation neuer Technologien – nicht Japanischer Herkunft. Japan hat es eigentlichnur revolutioniert und sich damit als Vorbild auf dem asiatischen Markt etabliert.

Wir wissen alle, dass es nicht mehr Japan alleine gibt. Taiwan, Korea, vor allem aber China haben die Marktführerschaft angetreten und bestimmen immer mehr den Weltweiten Technologietransfer.

Gegeben hat es aber diese Weitergabe von Know how schon viel früher: Die Vereinigten Staaten , die vom einstigen Mutterland Großbritannien profiterten. Diese wiederum übernahmen das Wissen von den Niederlanden, die ihrerseits wieder Frankreich oder Italien als Vorbild hatten. Zeitpunkt: Mitte des 16. Jahrhunderts, als anlässlich des ersten „Hugenottenkriegs“ die Hugenotten mit ihrem immens hohen technologischem Wissen in die Niederlande oder nach Deutschland flüchteten.

In der Folge haben diese Länder durch eben auf diesen Technologien basierende Innovationen zum eignen Wirtschaftsaufschwung genutzt und ihre Machtposition wurde gegenüber den Nachbarländern dementsprechend gestärkt oder unter Umständen auch geschwächt, wenn man in bestimmten Bereichen hinterher gehinkt ist.

Wer aber Innovation weiterhin gestalten möchte, der sollte auf eine kontinuierliche Ausbildung der Humanressourcen allergrößten Wert legen. Damit sollte aber schon in frühen Jahren weitgehend geachtet werden. Wenn jetzt Potentiale junger Menschen viel zu spät oder gar nicht entdeckt werden, weil alle in einen Topf geworfen werden und gleichermaßen über einen Kamm gescheert werden, dann besteht eben die Gefahr, dass die entsprechende Weiterbildung nicht erfolgen kann.

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  1. 1 Nachtrag zu “Typisch Japan?” « Dominik Truschner

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