Erst kürzlich haben mich Meldungen über tödliche Reitsportunfälle erreicht. Wie auch immer, es kam dabei nicht das Pferd, sondern der/die jeweilige Reiter/in zu Schaden.
Welche sind aber die gefährlichen Sparten, in denen derart tragische Unfälle vorkommen?
Viele Formen des Pferdesports sind uns heute bekannt. Dem Laien ist eine grobe Unterscheidung zwischen Springen, Dressur und Western sicherlich geläufig. Vielleicht der Fahrsport ist vielen noch ein Begriff. Dass aber eine viel weiter reichende Unterteilung in Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Westernreiten, Fahren, Voltigieren, Rennsport, diverse nach Pferderassen kategorisierte Bewerbe, Kleinpferde/Ponies, Mannschaftsspiele (Polo, Polocrosse, Horse Ball, Mounted Games) oder Reiterspiele (Ringreiten, Rolandreiten, etc…), Jagdreiten, Distanz- und Orientierungsreiten, Vierkampf, ländliche Reiter, therapeutisches Reiten oder auch Freizeitreiten (dazu zählt auch das Wanderreiten) erfolgt, ist den meisten Menschen schon gar nicht mehr zuzumuten. (Diese Liste erhebt jetzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist aber sicherlich schon sehr umfangreich!)
Die anderen Bereiche mögen mir jetzt verzeihen, aber ich werde mich jetzt nur auf die altbekannten Bereiche konzentrieren. Wir kennen u.a. die Dressur- (Ich selbst habe jahrelang mit meinem Pferd diesem „Laster“ gefrönt!), die Spring- und die Geländeprüfungen, früher auch „Military“ genannt. Im internationalen Sprachgebrauch gilt die Bezeichnung „Cross Country“. Die Kombination aller drei Bereiche nennen wir „Vielseitigkeit“, international „Eventing“.
In den letzten beiden Dekaden gab es immer wieder Diskussionen und schlussendlich auch positive Auswirkungen derselben auf den Springsport. Ich erinnere hier nur an die Abschaffung der Mächtigkeitsspringen, in denen Pferden eine über zwei Meter hohe Mauer recht oft zum Verhängnis wurde.
Die extrem anspruchsvollen Jagdrennen, auch bekannt unter dem Begriff „Steeplechase“ sind heute auch weitgehend abgeschafft, werden aber in den osteuropäischen Länder auch noch weiter durchgeführt. Das bekannteste unter allen ist das Rennen von Pardubice in der Tschechischen Republik mit seinem berüchtigten Taxis-Graben, bei dem alljährlich mehrere Pferde zu Schaden kommen. Ähnlich verhält es sich in Achselschwang, usw… Diese Geländerennen erfüllen sicherlich nicht den Grundgedanken eines friedlichen Zusammenlebens von Mensch und Pferd. Niemals würde ich mein Pferd (oder meine Gruppe) in derart gefährliche Situationen führen wollen.
Diese Rennen sind aber sehr selten in den Medien zu finden, nicht einmal kurze Notizen darüber konnte ich in den mir zugänglichen Tageszeitungen erblicken.
Aufgehorcht wird lediglich, wenn nicht das Pferd, sondern dessen Reiter lebensgefährlich verletzt wird, ja vielleicht sogar stirbt, wie zuletzt in Schweden oder in Schenefeld, Deutschland. Ich selbst habe schon mit 16 Jahren einen solchen Fall in Spital am Semmering erlebt, bei dem ein sehr erfahrener Reiter gerade beim letzten Hindernis einen tödlichen Unfall erlitt. Die unglaublichste Sache, die mir dann bei dem von mir beaufsichtigten Hindernis widerfuhr, geschah, als ich versuchte die gesamte Unfallstelle abzusichern. Umstehende Zuschauer wollten einfach nicht helfen, bzw. war es einfach nicht möglich diese zur Mithilfe zu bewegen (Glücklicherweise waren innerhalb kürzester Zeit einige Freunde zur Stelle!). Den Tropfen, der das Fass aber zum Überlaufen gebracht hat, war dann die Erregung aller umstehenden Personen als ich dem anscheinend erschöpften Pferd den Sattelgurt aufschnitt, damit es endlich wieder aufstehen und den Unfallort als mögliche Gefahrenquelle verlassen kann. Dies hat mir einige Buhrufe eingebracht!
Das Pferd wird in der breiten Öffentlichkeit weitgehend als Sportgerät betrachtet. Ein Fakt, dem ich ohne zu zögern mit größter Vehemenz widersprechen möchte. Pferde sind keine Sportgeräte, sie sind Lebewesen, die genauso gute und/oder schlechte Tage erleben, so wie wir sie haben. Der Mensch rühmt sich seiner Übermacht über andere Lebewesen unserer Zeit und vergisst dabei, dass wir unserer domestizierten Lieblinge eigentlich „nur“ die Sprache voraus haben.
Wie sehr man nun die Geländeprüfungen und das Springreiten kritisieren will, ich selbst würde diese beiden Bereiche des Pferdesports nicht abschaffen wollen. Vielleicht würde ich einzelne Elemente entsprechend entschärfen, damit das Risiko eines tödlichen Unfalls weitgehend gemindert wird. Unfälle mit Todesfolge von Pferd oder Reiter können auch ganz woanders vorkommen und sind genauso tragisch.
Diese Entschärfung würde auch den Einsatz von diversen Brachialmethoden sicher reduzieren, sind diese ja auch des öfteren ein großer Stein des Anstoßes. Das Barren (dazu zählt man auch Schläge mit Eisenstangen), Doping, Nervenschnitt, mit Drähten umschlungene Zungen oder scharfe Sporen seien hier als Beispiele für die harten „Trainingsmethoden“ angeführt.
Bis heute schmerzt mich jeder Einsatz meiner Reitgerte, den ich in den siebzehn Jahren meiner Partnerschaft mit meinem Pferd getätigt habe. Mein Bestreben war es immer, so selten wie möglich die Gerte zu verwenden. Leider kam es ab und zu vor. Rückblickend war aber die Zusammenarbeit mit meinem „Wurschtl“ sehr prägend und auch sehr erfolgreich, haben wir doch viele tolle Platzierungen auch bei großen Turnieren erreicht.
Die Vielseitigkeit war für mich nie ein Thema. Das Springreiten an sich war für mich schon tabu, obwohl mein Pferd und ich hin und wieder einen leichteren Parcours (60 bis höchstens 90 cm) absolviert haben. Die Arbeit mit kleineren Hindernissen – darunter verstehe ich z.B. Cavaletti-Arbeit – war aber immer zur Lockerung gedacht und hilft auch der Koordination von Pferd und Reiter.
Letztendlich hatte ich mit der selben Einstellung den annähernd gleichen Erfolg mit vielen anderen Pferden, habe ich doch in meinem Stall eine Vielzahl an Pferden, wie man so schön sagt, „hergerichtet“.
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