Niederösterreichische Landesausstellung – Ein Kurzbericht

Dieses Pfingst-Wochenende war wieder einmal ein Kongress angesagt. Und wie jedes Jahr fand er an einem anderen Ort statt. Austragungsort heuer war Waidhofen an der Ybbs. Eigentlich ist diese Stadt ein sehr nettes Plätzchen: Überschaubar, nicht überlaufen und außerdem die Heimstätte der diesjährigen NÖ Landesausstellung. Für diesen Anlass wurde u.a. der nebenstehende Bergfried mit einer Stahlkonstruktion „verziert“, welche allerdings erst bei Dunkelheit ihren vollen Glanz entfalten kann und den Eindruck einer aus dem Inneren des Turmes lodernden Flamme vermitteln soll. Bei Tag dient dieser Stahl/Glas-Käfig als Refugium der maximal 30 (!) auf einmal zugelassenen Besucher, die daraus (falls es regnet) und rundherum (bei schönerem Wetter) das Panorama über Waidhofen und Umgebung genießen können.

Zuvor wird der Besucher durch einen Parcour (Man beachte bitte die Schreibweise!!!) geschleust, der, einmal passiert, nicht mehr von vorne begonnen werden kann. Ausnahme: Man löst noch eine Eintrittskarte.

Von vielen akustischen Reizen begleitet, erhält man u.a. die Möglichkeit selbst „Hand anzulegen“, um seine sensorischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Vier Herdplatten mit je einer Temperatur zwischen 20° und 60° helfen dem Besucher einmal warm zu werden. Das Ergebnis zeigt sich gleich im Anschluss bei einer Thermographie, die, durch viele viele Regenbogenfarben geschmückt, die Körperwärme wiederspiegelt.

Etwas weiter im Parcour geht es um die Verwendung des Feuers zur Herstellung wohliger Gemütlichkeit: Die jahrtausende alte Tradition der Ziegel- und Glasproduktion. Für Modellbaufreaks ist es eine wunderbare Kulisse, die hier das Auge reizt. Querschnitte (Modelle) früherer Fabriken und Produktionsstätten, Glaszylinder einzelner Herstellungsphasen, etc.

Auch Wappenkundler können hier mit Vergnügen diesen Raum durchwandern und schlussendlich mit einem großen Gummihammer die am anderen Ende des Raumes befindliche Glocke zum Schwingen bringen.

Sportliche Herausforderung

Die Landesausstellung ist auf mehreren Etagen, auch eine körperliche Herausforderung für die Besucher. Interessanterweise geht es nach dem Start im Erdgeschoss hinauf in den zweiten Stock bevor man die Exponate im ersten Stock bewundern darf. Auf jeden Fall darf der/die Besucher/in beim betreten des zweiten Obergeschosses gleich kräftig pumpen. Ziel dieses Experimentes ist es, einen fiktiven Brand zu löschen (was den meisten Besuchern aber nicht sofort gelingt, da einem die Puste rasch verlässt!). Jedenfalls war es sehr interessant und auch erheiternd anderen Personen bei Erfüllung der Aufgabe längere Zeit zuzusehen. Dabei stand ich neben diesem Modell der Stadt Waidhofen, das ich trotz Fotografierverbot (Ja, ich gebe es zu, ich war aufmüpfig und habe gegen eine Regel verstoßen!!!) geknipst habe.

Schräg gegenüber findet sich eine Sammlung von sieben Feuerwehrhelmen. Der sechste davon hängt verkehrt, mit dem Wappen Niederösterreichs nach hinten gerichtet, in der Glasvitrine. Auf meine Frage hin, warum dies so sei, bekam ich die interessante Antwort: „Das haben die Besitzer dieses Helmes so gewollt!“ (?!?!?)

Historische Ereignisse

Die Ausstellung besticht auf jeden Fall durch seine Original-Exponate, die allesamt einerseits die Auswirkung der zerstörenden Flammen auf sie selbst zeigen, bzw. welche Bedeutung dem Feuer in den einzelnen Epochen zugesprochen wurde.

Berührend ist auf jeden Fall der Raum der Bücherverbrennungen, in dem sämtliche Autoren, deren Werke verbrannt wurden aufgelistet sind. Gleichzeitig werden Bild und Ton der ersten Verbrennung auf zwei Monitore übertragen. Die Ausstellungsinitiatoren haben anscheinend auch an kleinere Besucher gedacht, da sich die zwei Bildschirme auf unterschiedlichem Niveau befinden.

Im Rahmen dieser Ausstellung findet sich auch ein Gemälde, das in Zusammenhang mit einem Werk von Joseph Strauß steht, welches wir seit Jahren als Balleröffnung verwenden: „Polka Feuerfest“, anlässlich des ersten Feuertests dreier Geldschränke der Firma Wertheim (der Inhalt des o.g. Exponates) komponiert.

Kaum hat man wieder das Erdgeschoß erreicht, da wartet schon der Aufstieg auf den Bergfried.

Maximal zulässige Besucherzahl auf einmal: 30.

Jetzt hat man beim Eingang eine Ampel installiert. Das Zählwerk ist mit Lichtschranken verbunden, die die Besucherzahl registriert. Doch wie so oft können sich die meisten Besucher nicht an diese Regelung halten und strömen trotz roter Ampel hinein. Lustig ist dann der Dialog, der dan aus dem Turm nach unten hallt. Er erinnert ein wenig an die Szene im Tower von Londinium in „Asterix bei den Briten“:

- He, habt ihr Grün gehabt?
- Sicher!
- Das kann nicht sein, wir waren bereits 32 da oben!
- Glauben’s ich bin farbenblind oder was?
- Der Gedanke drängt sich auf…

…und schon beginnt die Schlägerei! ;-)

150 Stufen…

…warten demnach auf die Besucher. Wer also einmal den Stephansdom bezwungen hat wird hier sicherlich keine Schwierigkeiten haben. Glaubt man wenigstens. Denn der Gegenverkehr wird unangenehmer als auf jeder engen Bergstraße.

Hier die Fakten der höhergelegenen Treppen (so ab dem zweiten Ausweichraum):
Breite: 60cm
Stufenhöhe: 25cm

Oben angelangt heißt es dann Aussicht genießen und irgendwann einmal wieder hinunter auf den Boden der Realität und weiter in den Freiluftparcour (kein Schreibfehler, das steht wirklich dort so ohne ’s‘ am Schluss!!!). Da sieht man dann einen Schmied, der so kleine Stadttürmchen schmiedet. Diese eisernen Dingchen erhält man widerum gegen eine kleine Spende. Im Nebenraum befindet sich dann die schwarze Kuchl, in der auch regelmäßig gekocht wird.

Wer aber glaubt, die Landesausstellung sei hier zu Ende, der wird entweder enttäuscht oder glücklich sein. Beim Lösen der Eintrittskarte erhält man nämlich auch den Bon für den zweiten Teil, der sich aber ganz wo anders befindet – in St. Peter an der Au.

In Waidhofen fängt man hoffentlich Feuer für das zweite Ausstellungsthema: Erde. Sollte ich dorthin kommen, werde ich darüber berichten…

Hier noch der „Parcour“-Feuer zur Ansicht:

parcoursfeuer.jpg

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