Es ist Sonntag in Salzburg. Der übliche Sonntag. Oder doch nicht? Auf jeden Fall fängt er mit Sonnenschein an. Wundervoll. Auch noch in Hellbrunn scheint die Sonne. Doch langsam nahen graue Wolken, der Untersberg verhüllt sich langsam. Vom Watzmann kann man so oder so nur noch die unteren Hänge erahnen…
Es ist später Vormittag, kurz vor halb Zwölf. Also beschließe ich meinen kleinen Aufenthalt im Salzburgerland in der Stadt Salzburg fortzusetzen und bin plötzlich vor dem „Österreichischen Hof“. Oh mein Gott, welch ein Lapsus! Er heißt ja jetzt „Sacher Salzburg“. Eigentlich peinlich und gleichzeitig traurig. Erinnerungen werden wach an den blauen Salon, Salzburger Nockerl, zig-meterhohe Weihnachtsbäume in der Hotellobby unter der Glaskuppel, die ich Jahr für Jahr beim Kurzurlaub als Kind dort erlebt habe.
Ich bin mir sicher, und das haben mir viele Salzburger bestätigt, das „Sacher“ gehört nur nach Wien. Dort ist es Identität, Markenzeichen, Refugium und auch Garant für Tradition. Der „Österreichische Hof“ ist das gleiche für Salzburg.
OK. Ich gehe weiter über den Markart-Steg und steh plötzlich vor einem Wachzimmer. Ach ja! Da haben wir das Fahrtenbuch unseres Heeres-KfZ kurzfristig hinterlegt, damit es nicht abhanden kommt, wenn wir um die Häuser ziehen.
Und weiter. Mozarts Geburtshaus: Eine Touristenfalle! Also: Weiter geht’s. 12:30 Uhr.
Super eine BA-CA! Ich kann doch mal schauen, ob mein Gehalt überwiesen wurde und werde teilweise enttäuscht. Die Firma ist verlässlich: Die Knete ist am Konto! Aber die andere Überweisung lässt noch immer auf sich warten. Na gut, dann machen wir mal schnell einen Anruf. Die Antwort? „Tut uns Leid, aber wir haben eine Umstellung gehabt und daher dauert es etwas länger!“ Länger? Fast zwei Monate!
OK – Weiter in der Getreidegasse.
Trachtenmoden, Essen, Eisgrotte, Nordsee, … – „Wo ist die nächste Toilette?“ Ah hier! Rein in den nächsten McDonalds. Ist eh nur von Touristen befüllt, da fragt ja eh keiner. Und weiter geht’s. 12:45 Uhr.
Der Juwelier Hasmann! Tolle Auslage. Mir nur zu teuer. Aber nach einem kurzen Dreh meines Kopfes erhasche ich eine von mir auch gesuchte Lokalität: „Carpe Diem“ Fingerfood vom Feinsten. Aber mir ist das noch zu früh. Ich habe noch keinen Gusto.
Also weiter. 13:00 Uhr.
Wie heißt doch nun schnell die Konditorei mit den echten Mozartkugeln? Irgendwas Adliges. König, Kaiser, Edelmann, Graf, … Idiot! „Fürst“ natürlich. Das ist ja der mit den blauen Kugeln.
Gut. Suchen wir den „Fürst“. 13:10 Uhr.
Vorbei am Festspielhaus. Sieh an, der Demel in Salburg hat renoviert! Domplatz: Eigentlich ein scheußliches Ambiente für die Zuseher diese Tribüne. Wo ist nur der „Fürst“?
Ich gehe weiter, 13:25 Uhr.
Hier ist er ja! Aber jetzt will ich nicht. Es fängt zum Regnen an! Ich will irgendwo länger sitzen. Ich will zurück zum „Carpe Diem“!
Ich gehe schnell. Es regnet. Ich gehe schneller. Es regnet stärker. Ich komme an. Ich gehe hinein. Und ich bekomme einen Platz! 13:30 Uhr (Ich war schnell, gell?)
Dann werfen wir mal einen Blick in die Karte. Ich will mich durchkosten.
Das „Entré Festival Menü“ oder das „Entré Super Festival Menü“, „Gebeizter Zander mit Artischocken und Spargelspitzen im Polenta-Cone“, „Beef Tatare mit Erdäpfelpüree & Ruccola im Kartoffel-Cone“ oder „Yellowfin Tuna im Salat von Avocados mit Ingwer im Kürbis-Cone“. Die Auswahl ist nicht einfach.
Zuerst aber schnell ein Bierchen. Weißbier. Herrlich zum Durstlöschen.
Los geht’s! Die ersten acht Cones (Anm. für nicht-englischsprachige: Tüten!) werden gebracht. Kleine Kunstwerke. Nur nicht zu schnell essen. Und so werden sie von mir allmählich vernichtet.
14:00 Uhr. Die Zeit verrinnt langsam.
Wo bleibt der Nachschub? Ach hier kommen sie! Die nächsten acht Stück. Aber was trinke ich dazu? Noch ein Bier? Oder doch ein Wein? Gut. Rot oder weiß? Ich lasse mich beraten von meiner lieb grinsenden Kellnerin. „Wie heißen Sie denn? Marion? Ein toller Name!“ (Irgendwie holt mich immer wieder die Geschichte ein! Oder ist es ein Zeichen?) Ab jetzt kein SIE mehr. Ihre Arbeitszeit ist gleich aus. „Trinkst Du ein Gläschen mit? Ja? Toll, Setz Dich her!“
Aber das Leben verläuft ja immer gleich. Ihr Freund wartet. Also: Wo bleiben die nächsten acht Cones? 14:30 Uhr.
Es geht weiter, die kleinen Tüten lenken mich ab. Ich esse, ich schlemme, ich befürchte schon jetzt eine lange Rechnung. Sie ist es mir wert.
Und noch mal acht Cones mit Desserts. 15:00 Uhr.
Meine neue Kellnerin ist nicht so lieb wie die erste, dennoch zuvorkommend. „Wollen Sie noch einen Kaffee?“ Selbstverständlich. Was war das da am Nebentisch? Ein Café au Lait? Her damit, so was muss gekostet werden! (Anm.: Höhe der Tasse ca. 8-10 cm, Durchmesser ca. 20 cm) 15:20 Uhr.
Ich nähere mich dem Ende. Vielleicht noch ein Eis. „Gehen auch mehrere Kugeln? Ja? Wunderbar! Dann 5 Kugeln weißes Kaffee-Eis bitte!“
Ein leichter Hauch von Zimt macht mir den Mund wässrig. Ich bekomme meine Lust auf Mozartkugeln zurück. Also: „Die Rechnung bitte!“ Und die Rechnung kommt. Sie ist lang. 24 verschiedene Cones, 5 Kugeln Eis, 1 Bier, 2 Glas Wein, 1 Café au Lait, … Ja, es war wunderbar und köstlich zugleich! Ich komme wieder!
15:45 Uhr.
Na bitte: Der Regen hat aufgehört! Also gehen wir doch den gleichen Weg wie vorhin zum „Fürst“.
Ich komme dort an: 16 Uhr (Jetzt war ich langsamer als vorhin!) 40 Stück Mozartkugeln lose und 20 Stück in den großen Kugeln. Frage nicht nach dem Preis, aber er ist es allemal wert.
Margit ruft an: „Wo bist‘ denn g‘rade? Beim Fürst? Ich bin in fünf Minuten bei der Polizei!“ Ich stelle meinen Geschwindigkeitsrekord ein und bin vor ihr an besagter Stelle. Es geht nach Anif zurück. 16:20 Uhr
Und danach? Wieder zurück in die Stadt. Zum Salzachgrill!
Was machen? Wieder essen. „Salzburger“ nämlich! Wirklich toll.








